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Das richtige Fokussieren eines Objektes kann leicht zur Geduldsprobe ausarten - insbesondere CCD-Fotografen wissen davon ein Lied zu singen. Denn auch ein noch so weich und spielfrei einzustellender Okularauszug ist hier keine wesentliche Hilfe, da die Übersetzung oft sehr grob ist. Abhilfe schafft eine kostengünstige und einfach zu realisierende Tuning-Maßnahme, die es gestattet, den Fokus auf wenige Hundertstel Millimeter genau einzustellen.
Das Ziel der Maßnahme ist eine wesentlich feinere Übersetzung des Okularauszuges. Bei unseren Refraktoren - einem 4-Zoll Televue Genesis sdf und einem 6-Zoll Astro-Physics Starfire - bewirkt eine Umdrehung der Verstellknöpfe einen Fokusweg von 25 beziehungsweise 18 mm. Selbst wenn man die Knöpfe manuell gerade noch um 5 Grad feinfühlig verstellen kann, ist ein minimaler Verstellweg von 35 beziehungsweise 25 Hundertstel Millimetern für fotografische Zwecke noch viel zu groß.
Abhilfe lässt sich leicht schaffen, indem man einem Verstellknopf eine zusätzliche Übersetzung vorlagert:
Hierzu wird einer der beiden Betätigungsknöpfe von der Welle des OAZ abgenommen. Dies geht sehr leicht, wenn er nur mit einer Madenschraube gesichert ist: Schwieriger ist es, wenn er zusätzlich verklebt ist: Dann hilft jedoch eine zwanzigminütige Lagerung im Backofen bei 250°C. Auf die Innenseite des Knopfes wird ein Zahnrad mit 90 Zähnen, Modul 0,7 und einer Breite von 4 mm mit Zwei-Komponenten-Kleber aufgeklebt. Hierbei ist natürlich auf eine saubere Zentrierung zu achten, die an beiden Refraktoren leicht durch einen Bund an den Knöpfen zu erreichen ist.
In das Zahnrad greift ein Ritzel mit 15 Zähnen ein, welches auf einer Silberstahlwelle von 4 mm Durchmesser sitzt und mittels einer Madenschraube gesichert ist. Damit ergibt sich eine Übersetzung von i = 90:15 = 1:6 . Zusätzlich wird die Welle noch abgeflacht, um einen sicheren Sitz des Ritzels zu gewährleisten. Die Lagerung der Welle erfolgt in zwei Sinterbuchsen, die in zwei Platten aus CFK oder auch Aluminium von 3 mm Stärke eingepresst sind.

Beim Starfire werden die CFK-Platten zur Halterung der Welle seitlich auf den Lagerblock des Original-Ritzels aufgeklebt,
während sie beim Genesis sehr komfortabel an den Seitenwangen befestigt werden.
Diese Platten werden beim Genesis auf die seitlichen Abflachungen des Tubus-Endteiles mit Zwei-Komponenten-Kleber fixiert, und beim Starfire werden die beiden Platten - mit einer entsprechenden Aussparung für die nach außen gehende Welle - auf den Lagerblock des originalen Ritzels geklebt. Der große Vorteil dieses Klebers ist, dass er eine Verschiebung der Platten für etliche Minuten erlaubt, jedoch bereits nach 10 Minuten so weit ausgehärtet ist, dass die Position fixiert ist und nach einer Stunde bereits vollständig belastbar ist.
Die Welle führt auf die gegenüberliegende Seite des OAZ, wo sich ein so genannter Knopfautomat befindet, wie er für Drehpotentiometer benutzt wird. Damit dieser auf die Welle passt, ist noch eine Ausgleichshülse von 4 auf 6 mm notwendig.
Der Knopfautomat besitzt zwei Betätigungsknöpfe hintereinander: Der vordere, kleinere Knopf befindet sich auf dem großen und übersetzt diesen im Verhältnis 1:6, der größere Knopf wird direkt auf der Welle befestigt.
Damit ergeben sich nun die folgenden Möglichkeiten der Fokussierung:
Vorfokussierung: Eine Umdrehung an den Originalknöpfen des OAZ entspricht 25 mm Verstellweg am Televue und 18 mm am Astro-Physics
Grobfokussierung mit einer Übersetzung von i=1:6: Eine Umdrehung am großen Knopf des Knopfautomaten entspricht 4,2 mm beziehungsweise 3 mm Fokussierweg
Feinfokussierung mit einer Übersetzung von 1:36: Eine Umdrehung am kleinen Knopf des Knopfautomaten Feinstellknopf entspricht 0,7 mm respektive 0,5 mm Verstellweg
Die insgesamt nur etwa 50 € kostende Tuning-Maßnahme ist leicht an einem Abend in einer durchschnittlich ausgestatteten Werkstatt mit Tischbohrmaschine, Tischsäge und Gewindeschneider durchzuführen. Lediglich für den Fall, dass die Zentrierung ein größeres Loch im Zahnrad notwendig macht (wie beim Astro-Physics-Refraktor), ist eine Drehbank von Vorteil.
Fazit
In der Praxis hat sich diese Ergänzung als eine wesentliche Erleichterung beim Scharfstellen herausgestellt, weil der Feinstellknopf im Hundertstel Millimeter-Bereich spielfrei verstellt werden kann. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass sich der notwendige Kraftaufwand mit dem Verhältnis der Übersetzung verringert, so dass endlich ein weitestgehend erschütterungsfreies Fokussieren möglich ist. Aus diesen Gründen hat sich die zum Fokussieren benötigte Zeit drastisch reduziert, so dass mehr Zeit für die eigentliche Fotografie bleibt.
Bezugsquellen |
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Zahnräder/Ritzel: |
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Kremp-Wetzlar (www.kremp-wetzlar.com )
Ritzel: Best.-Nr. 07Sg15b7; ca. 8,75 €
Zahnrad: Best.-Nr. 07Sg90b3; ca. 9,80 € |
Grob/Feinstellknopf: |
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Conrad-Electronic (www.conrad.de)
"Knopfautomat", Bestell-Nr. 712175; 25,54 Euro |
Bundbuchse 4mm: |
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z.B. Conrad-Electronic, Best.-Nr. 237035; je 1,05 € |
Welle 4 mm: |
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z.B. Conrad-Electronic, Best.-Nr. 237060; 1,95 € |
Ausgleichshülse: |
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z.B. Conrad-Electronic, Best.-Nr. 219827; 4,25 € |
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