Optiktest Intes Micro Alter 703

 

 
 

Mit der optischen Qualität meines Teleskops bin ich seit dem First Light sehr zufrieden: Die intra- und extrafokalen Beugungsringe an Sternen sind identisch, Details an Planeten sind knackscharf zu erkennen, und bei 300facher Vergrößerung ist – zumindest in unseren Breiten – meistens das Seeing der limitierende Faktor, nicht aber das Teleskop.

Dennoch wollte ich mich bei der Beurteilung der Güte meines Maksutov-Cassegrain nicht allein auf den subjektiven Eindruck verlassen. So bat ich Wolfgang Rohr [1] um eine genaue Auswertung. Er ist in Astronomen-Kreisen nun wahrlich kein Unbekannter und hat sich im Laufe der Jahre einen hervorragenden Ruf als Optik-Tester erworben. Vor seinem erfahrenen Auge (und seinem 40cm-Planspiegel!!) sollte das Teleskop nun auch im Labor seine Fähigkeiten beweisen.

Zunächst wurde die Optik einem Foucault- bzw. Phasenkontrasttest unterzogen: Damit wird die Gleichförmigkeit der Spiegelfläche ebenso sichtbar gemacht wie eventuell vorhandene feinste Strukturen, die durch das Polieren des Spiegels entstehen. Letztere sind bei dem Spiegel des 7"-Maksutov kaum erkennbar, lediglich ein zarter Hinweis auf eine Überkorrektur ist auszumachen.

   
     
     
         

Anschließend war der Ronchi-Gitter-Test mit 10 Linien pro Millimeter an der Reihe: Idealerweise verlaufen die Linien parallel zueinender. Ein bauchiges Auseinanderlaufen intrafokal ist ein Zeichen von Überkorrektur, sanduhrförmige Linien deuten Unterkorrektur an. Bei dem getesteten Telskop ist also eine geringfügige Überkorrektur zu sehen.

   
     
     
         

Auch beim Interferogramm sollten die Linien eines idealen Spiegels parallel zueinander laufen. Der Abstand zwischen zwei Streifen beträgt Lambda 1/2, in diesem Fall also 266 Nanometer, da mit grünem Laserlicht bei einer Wellenlänge 532 nm gemessen wurde. Die leichte beidseitige Durchbiegung zeigt wiederum eine minimale Überkorrektur an.

   
     
     
         

Häufig wird bei rotem Licht mit 640 nm gemessen, was das Ergebnis um 20 Prozent "schönt". Auf diese Weise kann ein Spiegel, der im Grünen einen Peak-to-Valley-Wert von 1/4 zeigt, leicht auf PV=1/5 "verbessert" werden. Wenn ein Hersteller also mit einem bestimmten PV-Wert wirbt, sollte man wissen, bei welcher Wellenlänge gemessen wurde. Bei dem getesteten Teleskop liegt dieser Wert etwa bei Lambda=1/7 im Grünen, das heißt die Abweichung vom Ideal beträgt 76 Millionstel Millimeter!

Zum Vergleich: Entspräche ein Millimeter der Gipfelhöhe des Mt. Everest (8848 m) und wollte ein Bergsteiger mit einer Präzision von 76 Millionstel seine aktuelle Höhe über Normalnull angeben, müsste dies mit einer Genauigkeit von 67 cm geschehen!

Anschließend wollten wir wissen, wie es um die Rotationssymmetrie bestellt ist: Das Teleskop ist frei von Astigmatismus!

   
     
     
         

Ein ordentlicher PV-Wert allein sagt noch nicht viel über die Güte eines Spiegels aus, denn er wird nur an einer Stelle gemessen. Diese könnte auch nur zufällig gut sein, während der Rest des Spiegels eine katastrophale Qualität aufweist. Aus diesem Grund misst man einen Spiegel an zahlreichen Punkten und bildet daraus einen statistischen Wert, der als Root-Mean-Square (RMS) bezeichnet wird. Hier wurde über 5.000 Messpunkte ein vorzüglicher Wert von RMS = 0.027 (=1/37) ermittelt. Der Strehl-Wert beträgt 0.97, das heißt 97% des einfallenden Lichts werden vom Spiegel reflektiert.

   
     
     
         

Wolfgang Rohrs zusammenfassender Kommentar: "Intes-Geräte sind tatsächlich eine Klasse für sich!"

© für die Auswertungsbilder bei Wolfgang Rohr

 

 
 

Referenzen:

[1] Homepage von Wolfgang Rohr: http://www.rohr.aiax.de/

 

 

 

 
   
 
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